Eine Anmerkung zum Auftritt von “Die Bandbreite”

Am 01. Mai findet bei den Eröffnungsfeierlichkeiten zu den Ruhrfestspielen am Recklinghäuser Ruhrfestspielhaus unter anderem auch ein Konzert mit der HipHop-Kombo “Die Bandbreite” statt. Die Ruhrfestspiele werden zur Hälfte von der Stadt Recklinghausen, zur anderen Hälfte vom Deutschen Gewerkschaftsbund veranstaltet. Vor dem Hintergrund des 1. Mai als Tag von Arbeitskämpfen sollen dort verschiedene Kunstformen, Sprachen und Kulturen zusammengeführt werden.

“Die Bandbreite” stehen diesem Anliegen fundamental entgegen. Die Duisburger Kombo, die sich selbst als “links” und “antifaschistisch” labelt und von der es in der Konzertankündigung heißt, sie sei “schwer politisch”, hat aus guten Gründen in vielen linken Läden Auftritts- und Aufenthaltsverbot. Ihre Lieder sind eine wirre Zusammenstellung aus Verschwörungstheorien, sexistischen Männerphantasien, Schwulenfeindlichkeit, der Relativierung des Nationalsozialismus und einem ständigen Einschlag des Antisemitismus. Ihre Auftritte provozieren immer wieder Proteste lokaler linker Gruppen, die die Veranstalter_innen darauf drängen, das Konzert mit der Band abzusagen, was auch manchmal gelingt. Dies ist auch unser Anliegen.

Zum Duktus der Band gehört es, sich in den Nimbus einer Verfolgung durch die Mächtigen zu stellen und von einer “Hexenjagd” gegen sie zu sprechen. So spielten sie unter anderem auf einer Tagung der verschwörungstheoretischen “Anti-Zensur-Koalition” in Chur (CH) des christlichen Fundamentalisten Ivo Sassek. Dort fand 2010 z.B. ein Vortrag über die “Geheimakte Hess” von Prof. Dr. Michael Vogt statt, der über die “gescheiterten deutsch-englischen Friedensverhandlungen” aufklären wollte. Nach Rechtsextremismus-Vorwürfen verlor Vogt, Mitglied diverser Burschenschaften, 2007 seine Stelle als Honorarprofessor beim Institut für Journalistik der Universität Leipzig. 2009, im Jahr des “Bandbreite”-Auftritts, ging es beim Referenten Harald Hauptmann um die “neue germanische Medizin” des Nazis Gerd Ryke Hamers, der unter anderem behauptet, dass die „Nichtjuden“ einfach „gezwungen“ werden, „weiterhin die jüdische Schulmedizin zu praktizieren“, während die Jüdinnen und Juden in den Genuss dieser „neuen germanischen Medizin“ kommen würden. “Die Bandbreite” zeigen sich mit diesen von vermeintlicher “Zensur” betroffenen Meinungen solidarisch, weil auch die gegen sie durchgesetzten Ausladungen eine “Zensur” seien.

In den Texten der Band geht es nicht minder zur Sache: Im Song “Demokraten” heißt es im selben Duktus:
„Fang nie­mals an mit fie­sen Fak­ten auf­zu­war­ten! Kri­ti­sier nie­mals is­rae­li­sche Greu­el­ta­ten. Denn De­mo­kra­ten, die las­sen sich nich alles bie­ten, du wirst erst zum An­ti-​Ame­ri­ka­ner und dann zum An­ti-​Se­mi­ten.“, im Song “Selbst gemacht” wird behauptet, die Anschläge des 11. September in den USA seien von der US-Administrationselbst durchgeführt worden wie auch der Angriff Japans auf Pearl Harbor, da die USA einen Grund gebraucht hätten, in den zweiten Weltkrieg eintreten zu können.
Im Song “Wir können auch anders” wird vom “Neoliberalismus” als der “Neuform des Faschismus” geredet und so der Nationalsozialismus relativiert, indem die Schuld an Weltkrieg und Shoah nicht den Nationalsozialist_innen, sondern mit den “Bonzen”, “Reichen” und der “Börse, dem Roulette der Fetten” der Kapitalseite zugerechnet wird. Heute organisiere sich also diese Kapitalseite, die damals den deutschen Faschismus in Gang gesetzt habe, eben als Neoliberalismus. Dort heißt es weiterhin:
„Krass, weil welt­weit Men­schen ver­re­cken. Doch wir sind hier, um euch auf­zu­we­cken, die fet­ten Heu­schre­cken auf­zu­schre­cken“. Kapitalisten “plätten Arbeitsplätze”, “Siemens will ins Ausland”, “Bonzen gehen über Leichen”, “Einer verdient auf Kosten vieler, weil Wohlstand deren Deal war” etc.
Bei “Trauerspiel” wird mit der HipHop-Szene abgerechnet und sich u.A. mit den Juden und Jüdinnen im 3. Reich verglichen: “Wir sind für Euch die Juden Eures 3. HipHop-Reiches, weil wir dat Business beherrschen und Euch dat Geschäft ja gleich ist.”

Im Lied “Miesmuschel” wird sich über eine Frau beschwert, die “leider richtig Kacke im Bett” sei. Nachdem der Sänger bemerkt, eine “Gummibraut hat nen besseren Hüftschwung” und er kriege “bei dir nichtmal ne Latte” gipfelt der Text in der Behauptung, der erlebte “schlechte Sex” sei einer Vergewaltigung gleich: “Beim Reiten quetscht du mir ein Ei zu Brei. Ich zeig dich an, ich ruf dich an ich ruf die Polizei. Dat sorgt bei denen für Erheiterung, Mir egal – denn ich plädier auf Vergewaltigung!”
Im Song “Eingelocht” gipfelt diese Frauenfeindlichkeit dann in einer Vergewaltigungsphantasie an einer Frau, die bildgewaltig beschrieben wird:
“Ne, ne, es tut dir weh, doch wir warten nich, wo ich doch so selten ma n harten krich. du bis nich artig und jetzt kommt deine Strafe, du kanns nicht erwarten, datt ich zärtlich mit dir schlafe.” Im Hintergrund wird eine Frau mit “Ey, Alter lass dass!” nachgeäfft und sich so über die Artikulation der Uneinvernehmlichkeit der Sexualhandlung auch noch lustig gemacht.

Zuletzt findet sich bei der “Bandbreite” auch das Motiv der Schwulenfeindlichkeit. Im Song “Kein Sex mit Nazis” heißt es, der „Füh­rer Adolf Hit­ler“ sei ho­mo­se­xu­ell ge­we­sen. Des­we­gen habe er es „es mit Ru­dolf Hess in nem Hotel“ ge­trie­ben. Da Hess nicht dau­er­haft zur Ver­fü­gung Hit­lers ge­stan­den und er „kei­nen Trost an Evas brau­nen Tit­ten“ ge­fun­den habe, sei er „stän­dig an­ge­pisst und auch so voll fa­na­tisch“ ge­we­sen. Denn, so zu­min­dest „Die Band­brei­te“: „Kei­ner von den Schwu­len da­mals woll­te Sex mit Nazis“. Die „Band­brei­te“ warnt ab­schlie­ßend vor „Sex mit Nazis“. Schließ­lich wür­den viele „Ge­fah­ren hin­ter brau­nen Lö­chern lau­ern“. Der Grund für den Nationalsozialismus liegt hier also in der Frustrationserfahrung Adolf Hitlers bzgl. seiner vermeintlichen Homosexualität. Trotzdem gilt der Song in den Kreisen, in denen sich “Die Bandbreite” bewegt, als Beleg für den vermeintlichen “Antifaschismus” der Band.

Dieser kurze Einblick in die wirre Welt der “Bandbreite” sollte genügen, die Ziele der Ruhrfestspiele mit denen der Band als unvereinbar zu erkennen. Wir wissen um die Kurzfristigkeit dieser Anmerkung und die Schwierigkeit, in einer so großen Organisation wie der der Ruhrfestspiele eine Ausladung zu beschließen. Wir bitten sie dennoch darum, “Die Bandbreite” nicht bei ihnen auftreten zu lassen, Verschwörungstheorien, sexistischen Männerphantasien, Schwulenfeindlichkeit, der Relativierung des Nationalsozialismus und Antisemitismus keine Bühne zu bieten.

autonome Antifaschist_innen aus dem nördl. Ruhrgebiet / antifa.recklinghausen